Einen besonderen Schultag erlebte die Klasse 8c des Julius-Stursberg-Gymnasiums am Donnerstag. Gemeinsam mit ihrem Politiklehrer Christian Berges und Referendarin Lorin Irmak brachen sie auf zum Dorenweerd College in der niederländischen Kleinstadt Doorwerth, knapp zehn Kilometer westlich von Arnhem und nur eine gute Autostunde von Neukirchen-Vluyn entfernt. Als Verantwortlicher für Europaarbeit und internationale Austausche am JSG hatte Berges bereits zu Beginn des Jahres seine Fühler nach Doorwerth ausgestreckt und gemeinsam mit seinem dortigen Kollegen Lukas van der Heijde ein erstes Begegnungsprogramm für die Klasse 8c des JSG und die “Klas 3 HVO” des Dorenweerd College geplant. Beide sind beseelt von der Idee, durch die Zusammenarbeit der beiden Schulen ihren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, Jugendliche im Nachbarland kennenzulernen, gegenseitige Vorurteile abzubauen und Europa persönlich erfahrbar zu machen.
So kam zunächst im März die niederländische Lerngruppe ans JSG. Neben Kennenlernspielen und einer kurzen Aktion zum Aufbrechen von nationalen und kulturellen Stereotpyen gab es einen Rundgang durch die Stadt und einen Besuch im ortshistorischen Museum in Vluyn.
Beim Rückbesuch in den Niederlanden zwei Montate später nun wurde die deutsche Gruppe von ihren neuen Freunden herzlich an deren Schule empfangen – klischeekonform mit “Stroopwafels”, Fleischkroketten und “Pannekoek” – und lernte Gemeinsamkeiten und Unterschiede des deutschen und niederländischen Schulalltags kennen: Aurelia, Fadwa, Lenny und Florian etwa fanden, dass der Unterricht am Dorenweerd College weniger leistungsorientiert ist und den Schülern mehr Freiraum gegeben wird als am JSG. So gibt es einen Konzentrationsraum und viele schön gestaltete und saubere Lernoasen mit Pflanzen und gemütlichen Sesseln, wo Schülerinnen und Schüler jederzeit selbstständig und alleine Lernen können, wenn sie meinen Zeit und Raum für sich selbst zu brauchen. Auch im Bezug auf digitale Medien dürfen die Dorenweerd-Schüler “mehr” als die JSG’ler: So benutzen die niederländischen Schülerinnen und Schüler bereits ab der 1. Klasse der weiterführenden Schule – die unserer 7. Klasse entspricht – in allen Fächern Tablets und Notebooks statt Hefte und Bücher und dürfen auch fast überall ihr Handy gebrauchen. Diesen Freiraum sehen die deutschen Schülerinnen jedoch nicht nur positiv: “Wir haben den Eindruck, dass die Unterrichtsergbnisse zum Teil vielleicht etwas kürzer kommen”, meinte etwa Clara aus der 8c. Sehr beeindruckt waren die Gäste vom JSG hingegen von der Schulkatze Olaf, die jeden Tag durch das Schulgelände und die Gebäude streunt. So ein Schultier hätte die gesamte Klasse 8c auch gerne am JSG.
Am Nachmittag besuchten beide Gruppen gemeinsam das Airborne Museum Hartenstein, knapp drei Kilometer von der Schule entfernt, das an die deutsche Besatzung der Niederlande, die Befreeiung durch die Allieerten und die Schlacht um Arnhem im September 1944 erinnert, die leider noch nicht zur erhofften Befreiung von der Nazi-Diktatur führte.
Das Projekt “Rückbesuch Erstbegegnung Julius-Stursberg-Gymnasium / Dorenweerd College” wird durch das Interreg-Programm Deutschland-Nederland sowie seine Programmpartnern ermöglicht und von der Europäischen Union (EU) kofinanziert. Nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler freuen sich übrigens darauf im nächsten Schuljahr die Kontakte zwischen beiden Schulen zu intensivieren. Denn nach den Sommerferien wird am JSG erstmalig das “Fach Europa” für den Differenzierungsbereich in den Klassen 9 und 10 angeboten. “Hier wollen wir regelmäßig gemeinsame grenzübeschreitende Projekte und Workshops zu Themen wie Demokratie, Frieden und Freiheit durchführen”, erläutert Christian Berges, der das Fach eigens für das JSG, das seit vier Jahren Europaschule ist, den neu entwickelt hat, auch um damit ein weiteres Standbein für den Status des JSG als Europaschule NRW zu schaffen.
Christian Berges